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 Betreff des Beitrags: Legacy of Kain - Mind Games
BeitragVerfasst: So Jun 15, 2008 2:24 am 
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Old-One
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Registriert: Do Nov 03, 2005 10:53 am
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Erst einmal danke dass ihr überhaupt hier reinschaut... ist ja nicht mehr sooooo was besonderes, wenn man was schreibt, das heute jeder zweite im Internet eigene Romane und was-weiß-ich verfasst ;)

Das ganze ist eine Kurzgeschichte, die ich für eine Freundin (die absoluter LoK-Fan ist) geschrieben.

Im großen und ganzen orientiere ich mich an der Spielevorlage "Blood Omen 2" (geiles Game!) und habe mir nur die Frage gestellt "was wäre, wenn der zweite Boss Marcus, der Marionettenspieler, tatsächlich Kains Willen manipulieren könnte?"
Das ganze hab ich zu einer Geschichte verwurstet.

Ich denke man kann sie lesen und die Atmosphäre genießen, ohne die Geschichte zu kennen... aber dennoch ein paar Infos:

- Kain wurde vor 200 Jahren vom Sarafan-Lord in der Schlacht besiegt
- seitdem regenerierte er, ist frisch erwacht, merkt dass der Lord nun Chef ist
- Kain will Rache am Lord und an seinen vier Leutnants, die ihn damals verraten haben
- Umah ist eine Verbündete, welche ihm im Spiel hilft, dann aber (um Kain zu schützen) auf eigene Faust gegen den Sarafan-Lord loszieht. Daraufhin tötet Kain sie wegen ihres Ungehorsams.
- Ja, Kain ist ein absolut grausamer Antiheld und er ist schuld dran, dass in den folgenden Teilen des Games über 1000 Jahre hinweg das Land Nosgoth langsam aber sicher den Bach runtergeht und von einem blühenden Paradies zu einer knochenübersähten Todeswüste wird.

Nunja, ich hoffe mal, es weiß zu gefallen. Da es ein Einteiler ist kann K&K gleich hier im Thread stattfinden ^^

Was mich besonders interessieren würde für alle, die noch meinen alten Stil kennen:
Hat sich mein Stil irgendwie verändert? Ist er besser/schlechter geworden? Erwachsener?

Thx für die Aufmerksamkeit ^^

P.S.: Im Anhang ist noch das in-5-Minuten-selbstgebastelte Cover :ugly:

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Legacy of Kain - Mind Games

Dunkel und wolkenverhangen lag der graue Nachthimmel über Meridian und hüllte die tagsüber vor Leben nur so brodelnde Hauptstadt Nosgoths in ein nebelverhangenes Leichentuch aus kaltem Schweigen.
Ratten waren die einzigen Wesen, die sich um diese späte Uhrzeit auf die stinkenden Straßen trauten, doch taten sie dies nicht, wie es der Menschen Eigenart war, um ihren Geschäften nachzugehen, nein, sie suchten nach Nahrung. Gestorbenes Fleisch, in das sie ihre kränklichen Zähne graben konnten, hungrig nach etwas süßlich-fauligem, das ihren Hunger für kurze Zeit stillen konnte.
Sie waren zwar einsame Sammler in diesen trüben Tagen, doch hatten sie keine Probleme damit, Futter zu finden.
Ein mörderischer Fluch ging in den Gassen der Stadt um, von dem die Bewohner seit wenigen Tagen sprachen... ein besonders grausamer Vertreter der gierigen Rasse der Blutsauger schien durch die Straßen zu streifen und dabei wahllos Menschen dahinzuraffen, nur um ihre blutleeren Leichen den Anderen des nächsten Tages als klare Warnung zu hinterlassen.
Fürchtet mich, schien die Botschaft einer jeden neuen Leiche mit ihren schreckensstarr aufgerissenen Augen zu sein, deren Körper fürchterlich durch die Wunden scharfer Krallen verunstaltet war.
Eine Ratte – sie war gerade auf der Suche nach etwas zu fressen, da sich ihr Magen grummelnd gemeldet hatte – blickte hoffnungsvoll zum Himmel hinauf. Würde sie heute Glück haben? Etwas schmackhaftes finden? Oder galt es Kompromisse einzugehen und sich mit dem Müll auf den unratübersäten Straßen zu begnügen?
Sie sollte nie erfahren, was sie getötet hatte.
Im einen Moment war sie mit den Gedanken beim Fressen... im Nächsten wurde ihr der Lebensfunke unbarmherzig aus ihrem felligen Leib gequetscht, als ein schwerer Fuß sich auf sie setzte – gerade mal eine kurze Sekunde – um dann unbehelligt weiter seines Weges zu gehen.
Sie hatte von dem Ankömmling ebenso wenig Notiz genommen, wie er von ihr.
Wie hätte sie dies auch können, bewegte er sich doch auch ohne einen Laut zu verursachen...

Kain, der mächtige Vampir, war in Gedanken versunken. Das einst wildeste und mächtigste Raubtier unter Nosgoths weitem Himmel fragte sich, was er tun sollte. Sicherlich war es eine Option, Umah zu retten und damit die Informationen zu erhalten... dies würde seinen Weg zum Sarafan-Lord ebnen, ihm vielleicht die Chance geben, auf die er seit Hunderten von Jahren im Tiefschlaf gewartet hatte: die Chance auf Rache.
Dieses Gefühl war sein Ambrosia, sein Seelenbalsam, sein Lebensfunke gewesen, das seinen verwundeten Leib an dieses widernatürliche Leben gefesselt hatte.
Umah war der Schlüssel dafür, das in Jahrhunderten gewachsene Geschwür von Verlangen in ihm zu stillen. Das Verlangen, welches ihn geheilt, aber seinen Geist auch langsam aber sicher vergiftet hatte.
War es tatsächlich Gift? Oder ein Segen, der ihn mit jedem Rückschlag ein bisschen stärker machte?
Kain war sich dessen nicht sicher und entschied sich dagegen, diesen Gedanken weiter auszuführen. Es galt nun einzig und allein sein Ziel zu erreichen. Und dieses Ziel war die Rettung Umahs... zumindest so lange es seinem Zweck diente.
Doch... was sollte sein, wenn Umah bereits tot wäre, wenn er sie fand? Oder leidend im Sterben lag? Dann wäre alles umsonst gewesen.
Wobei er sich aber sicher war, dass er andere Mittel und Wege zum Sarafan-Lord finden würde. Wage es nicht zu sterben Umah... du würdest es nur bitter bereuen. Kain war nicht gewillt, sich diese Chancen, die sich ihm boten, entgehen zu lassen... und wenn er die Informationen langsam aus Umahs dahinsiechenden Leib quälen musste.

Seine Schritte führten ihn immer näher an Meridians alte Kathedrale, die sich wie ein Berg aus schwarzem Basalt über die dampfende Silhouette des Molochs von Stadt erhob... dort sollte er den Bischof treffen, welcher ihm besser den versprochenen Weg in die Festung der Sarafanen offenbarten würde, wenn ihm sein Leben lieb war. Kain hatte vor wenigen Stunden erst von Vorador, dem Anführer der Kabale, erfahren, dass dieser Mensch seinen Glauben gegen das Versprechen des vampirischen ewigen Lebens eintauschen wollte.
Menschen! Kain schnaubte verächtlich, während er weiter Schritt nach Schritt setzte. Vieh waren sie, nicht mehr. Einzig da um seinen Hunger zu stillen... und den seiner loyalen Diener.
Leider, das musste er sich eingestehen, waren an Diener jedoch nicht mehr allzu viele übrig. Kain schmerzte der Gedanke daran, wie er in Bruchteilen von Sekunden mit einem einzigen Schwertstreich des Sarafan-Lords alles verloren hatte... sein Kommando, seine Herrschaft, sein Ziel Nosgoth zu beherrschen. Alles war in naher Reichweite seiner scharfen Klauen gewesen... nur um ihm auf grausamste Weise verwehrt zu bleiben.
Und diese verräterischen... Vampirleutnants... seine ehemaligen Gefolgsleute, die nun im Dreck vor den Sarafanen krochen und ihnen bei deren Machtplänen halfen... Faustus, Marcus, Sebastian und Magnus... auch sie würden die gerechte Strafe für ihren Verrat erhalten, das schwor Kain bitter. Und was Kain versprach, das hielt er auch.
Ohne einen Laut zu verursachen näherte sich Kain einer dunklen Unterführung, welche mit schweren Gittern versperrt war. Fauliger Geruch drang penetrant aus dem Kanal hervor, der ihn näher an sein Ziel bringen sollte. Für einen kurzen Moment zögerte der gefallene Vampirfürst. Wie sollte er es schaffen, diese eisernen Stangen zu überwinden? Galt es, einen anderen Weg zu finden? Einen, der ihn an diesem gemauerten Hindernis vorbeiführte?
Plötzlich spürte Kain etwas. Eine Präsenz... eine dunkle Seele, die sich ihm näherte. Er bleckte seine spitzen Zähne. Wer sollte dies sein? Es fühlte sich... merkwürdig vertraut an. An irgendetwas erinnerte ihn dieses Gefühl... nur was?
Seine vampirisch geschärften Sinne durchsuchten das Dunkel, welches sich hinter den soliden Gitterstangen befand. Etwas kam näher...
Ein überraschtes Raunen entrang sich seiner Kehle, als er erkannte, was sich ihm da entgegenkam.
Es war eine hochgewachsene Gestalt, gekleidet in einem schwarzen Mantel, die eine rote Stola um den Hals trug, als ob er damit die menschliche Kirche ad absurdum führen wollte. Die feinen, endlos wirkenden Finger des Wesens waren in langen, schwarzen Handschuhen verborgen, welche ihm bis knapp über die Oberarme reichten. Das Gesicht zeigte sich totenblass, schien ausgezehrt und wurde von aristokratischen Gesichtszügen, wie nur Vampire sie besaßen, dominiert. Ohne Haare und mit kahlgeschorenen Kopf erinnerte der Vampir Kain an jemanden, den er vor langer Zeit gekannt hatte. An jemanden, der ihn verraten hatte.
„So! Die Gerüchte sind also wahr“, begann der Ankömmling mit tiefer, sonorer Stimme.
„Marcus, mein alter Freund!“, spöttelte Kain in überheblichem Ton. Er hatte nicht erwartet, den nächsten Teil seiner Rache so bald serviert zu bekommen.
„Wie kommst du darauf, Kain? Wir waren nie Freunde“, wehrte Marcus bestimmt ab. Nun konnte er noch frech sein, wo die unverwüstlichen Eisenstangen die beiden trennten... doch wie lange würde das noch sein, lieber Marcus?
„Willst du unser Wiedersehen mit alten Geschichten trüben? Ich gebe zu, dass unser letztes Treffen unerfreulich war“, hob Kain an und schenkte Marcus ein belustigtes Lächeln bei dem er, wie zufällig, seine Zähne entblößte. Kain wusste genau, was nun kommen würde.
„Du hast versucht, mich zu töten“, klagte Marcus mit einem bösen Funkeln in seinen Augen. Innerlich lachte Kain laut auf. Genau wie er es vorhergesehen hatte.
„Ist mir offenbar nicht gelungen“, entgegnete er, wobei sein Tonfall von einer Sekunde auf die nächste sehr ernst wurde.
„Ich war dir zu mächtig. Du wusstest, dass ich stärker bin als du. Hast du mich deshalb angebettelt, an deiner Seite gegen Nosgoth in die Schlacht zu ziehen?“
„Angebettelt? Ich habe nie gebettelt!“, fauchte Kain ob dieser Unverfrorenheit. Kain hatte nie gebettelt und würde es auch nie tun. Niemals!
„In deiner Arroganz hieltst du mich für tot. Doch ich war stärker, als du dachtest. Ich kroch aus meinem Sarg und floh in ein Versteck.“ Marcus Augen waren voller Zorn, Wut und blankem Hass auf Kain.
„Das ist der Marcus, den ich kenne“, verspottete Kain seinen alten Leutnant und merkte, dass dies den Hass seines Gegenübers nur noch mehr schürte.
„Nach dem Sieg der Sarafanen erkannte ich, dass mein Schicksal untrennbar mit dem Sarafan-Lord verbunden ist, also bot ich ihm meine Dienste an“, setzte dieser wieder an, vermutlich um sich damit vor seinem alten Meister zu rechtfertigen. Wenn dies seine Intention war, so fand Kain, dass es ihm ziemlich misslang.
„Ich habe dich immer für einen verlogenen, feigen Opportunisten gehalten. Wirklich schade, dass meine Schlamperei so großes Leid verursacht hat. Dieses Mal wirst du wirklich sterben, das verspreche ich dir.“ Kain gedachte diese Drohung wahr zu machen. Nicht noch einmal würde er von diesem Bastard betrogen werden. Sie sollten einander wieder aus den Augen verlieren, wenn Kain erst einmal mit ihm fertig war... für immer. Und um das zu versichern, wollte er Marcus das noch schlagende Herz aus der blutigen Brust reißen und an die verlausten Ratten verfüttern.
„Nein, Kain! Du unterschätzt mich schon wieder. Wir beide haben sehr unterschiedliche Dunkle Gaben. In den Jahren deiner Abwesenheit hat sich meine Macht um ein Vielfaches vergrößert. Ich weiß, dass ich alle lebenden Wesen meinen Willen unterwerfen und zu willigen Sklaven machen kann. Du wirst vor mir knien, Kain! Und der Sarafan-Lord wird über meinen neuen Sklaven mehr als erfreut sein. Und jetzt, unterwirf dich!“
Marcus hatte die letzten Worte seinem ehemaligen General regelrecht entgegengeworfen. Und tatsächlich... etwas... da war irgendetw...
Eine Flutwelle an mächtiger Energie drang gewaltsam in Kains Schädel ein und brandete zornig gegen sein Hirn. Wie ein Crescendo aus Pein flammten Schmerzen in dessen Kopf auf, als die Kräfte mit räuberischen Tentakeln seine Gedanken abtasteten und nach einem Schwachpunkt im Geist des Vampirs suchten.
Kain sammelte seine Kräfte, er fokussierte all seine ihm verbleibende Stärke, um den Eindringling mit aller Macht hinauszu...
Und plötzlich war es vorbei.
So schrecklich wie es ohne Vorwarnung begonnen hatte, waren die Mächte aus seinem Kopf wieder geflohen.
„Was? Unmöglich!“, keuchte Marcus ungläubig.
Von der plötzlichen Attacke noch leicht benommen, fasste sich Kain schnell ein Herz und lachte Marcus voller Hohn ins Gesicht: „An welchen Wesen hast du deine Fähigkeiten denn erprobt? An dummen sterblichen Narren, die nur Huren und Schmutz im Kopf haben? Ich bin für deine, ach so große Macht wohl zu stark, wie?“
Marcus schüttelte entschieden den Kopf. „Egal. Immerhin konnte ich deine Gedanken lesen. Du suchst den Bischof von Meridian, nicht wahr? Er hat wichtige Informationen für dich.“
„Guter Trick“, applaudierte Kain spielerisch.
„Du wirst diese Informationen niemals bekommen, dafür sorge ich. Vielleicht findest du den Bischof, Kain. Aber wenn es soweit ist, wird er tot sein.“ Und mit diesen Worten verschwand Marcus, so spurlos wie er gekommen war.
Kain erschrak... war Marcus wirklich von einem Augenschlag auf den nächsten verschwunden?
Diese mentale Attacke hatte ihm wohl mehr zugesetzt, als er dachte... den Bischof wollte Marcus also töten.
„Nicht, wenn ich ihn zuerst finde“, knurrte Kain und eilte, so schnell er konnte zur Kathedrale.

***

Schneller als jedes menschliche Auge es hätte erfassen können, ließ Kain seine Klauen auf den Schatten niederprasseln, welcher es immer wieder schaffte, den Streichen zu entgehen.
„Du suchst mich, ich verstecke mich...“, höhnte Marcus zuversichtlich und war wieder aus Kains Blickfeld verschwunden.
Wo war dieser Bastard nur?
Kains Augen durchwanderten die gewaltige Kathedrale, deren massive Wände sich in schwindelerregenden Höhen erst zu einer mächtigen mosaikbesetzten Decke vereinigten.
„Zerstört Kain, meine Marionetten!“, hörte der zornige Vampir seinen Widersacher rufen. Dessen Stimme wurde von den Mauern vielfach gebrochen und als dumpf klingendes Echo hundertfach zurückgeworfen, so dass Kain nicht feststellen konnte, wo Marcus sich befand.
Doch Kain suchte geduldig weiter, bis er zwei Gestalten in weißen Gewändern erkannte – vermutlich Priester –, deren schwacher Wille zweifellos von Marcus gebrochen worden war.
Diese hilflosen Wesen widerten ihn an und Kain entschied, dass es für Schwäche keine Schonung geben durfte. Als sie sich ihm näherten, attackierte Kain, keinen Gedanken auf so etwas wertloses wie Gnade verschwendend.
Er stürmte auf den Ersten zu und wischte ihn mit einem grausamen Hieb gegen die nahe Wand. Kain erkannte gerade noch, wie sich der getroffene Priester wimmernd auf dem Boden zu winden begann und die Hände, hinter denen Blut in dicken, roten Strömen hervorquoll, auf die Augen presste.
Sein Kamerad zögerte nicht lange, witterte seine Chance den Vampir, welcher den Blick auf den rubinroten Blutstrom gerichtet hatte, überraschen zu können. Er hob seine keulenartige Waffe hoch über den Kopf, um diese mit einem Schrei mächtig auf Kain hinabsausen zu lassen.
Beinahe beiläufig hob Kain seinen Arm und ließ die wuchtige Waffe daran abprallen. Jedem normalen Menschen hätte dieser Hieb den Arm gebrochen, doch Kains Knochen waren stark wie ein massiver Fels. Langsam und witternd drehte Kain seinen Kopf und musterte seinen Feind. Er war wahrhaft nicht Herr seiner Sinne, sondern von Marcus gesteuert... sonst hätte sich beim Anblick von Kains toten Augen zumindest ein Schleier der Angst über das Gesicht des Priesters legen müssen. Doch dem war nicht so. Kalt blickte er Kain an und starrte dem alten Vampir ungeniert ins Gesicht.
Wütend wegen dieser Tatsache ballte Kain seine Klauen zur Faust und ließ sie in der frechen Visage des Mannes explodieren. Er spürte das genugtuende Gefühl einer berstenden Nase und vernahm das schmerzerfüllte Schreien des Priesters.
Die Gedankenkontrolle ließ sie keine Furcht, jedoch Schmerzen spüren? Das gefiel Kain.
Erneut griff der Priester mit einem schrillen, vielfach zurückgeworfenen Schrei auf den deformierten Lippen an, doch Kain fing dessen Stab noch in der Luft ab, indem er seine Krallenhände auf die Hände des Priesters legte und den Schlag somit stoppte. Lachend hob Kain ihn problemlos in die Luft und verstärkte den Druck auf die Hand seines Kontrahenten, bis er dessen Finger splittern spüren konnte. Menschen sind so fragile Geschöpfe... man musste sie nur etwas fester anfassen, schon brachen sie auseinander.
Den Boden längst unter den Füßen verloren, begann der Mann wild gegen Kain zu treten, doch Kain spürte dies nicht einmal und warf ihn stattdessen zu seinen Kameraden. Schwer krachte der eine Körper gegen den anderen, was von beiden mit einem winselnden Jammern quittiert wurde.
„Vae Victis“, dachte Kain amüsiert, als er neben das verschlungene, zuckende Bündel von Menschen trat.
Beinahe verwundert stellte der Vampir fest, dass er den soliden Metallstab des einen immer noch in Händen hielt. Verächtlich schnaubend packte er den Kontrahenten, mit dem er bis eben noch gerungen hatte und hob ihn wieder auf seine Beine. Japsend nach Luft schnappend bemerkte dieser wie ihm geschah und lieferte noch einmal halbherzige Gegenwehr, bei der Kain regelrecht spürte, wie ihn seine Lebensgeister langsam verließen und er in die Gnade der Ohnmacht abzugleiten drohte.
Doch so leicht sollte es für ihn nicht enden. Kain fand, dass er ein Recht hatte, das große Finale mitzuerleben.
Immer noch am Hals gepackt presste der Vampir den Mann gegen die Mauer und holte mit dem Stab wie in Zeitlupe aus, das Miene zu der grotesken Verzerrung eines menschlichen Lächelns mit entblößten Eckzähnen verzogen.
Das blutige, zerschundene Gesicht erkannte noch was Kain vor hatte und endlich zeigte sich darauf das, was Kain so lange vermisst hatte... auf das seine sadistische Seele unnötig warten musste.
Angst.
Scheinbar ließ Marcus’ mentaler Griff nach.
„Bitte... nicht....“, brachte der Mann heiser hervor, während ihm Blut aus dem tauben Mund quoll.
Kain lächelte kalt. Niemand – selbst unter Gedankenkontrolle – stellte sich ihm ungestraft in den Weg. Einen kurzen Moment genoss er noch die klagenden Laute seines Gegners.
Dann schlug er zu.
Und noch mal.
Und noch einmal.
Immer wieder und wieder, bis das krampfhafte Zucken des Leibes aufgehört hatte und von dem Gesicht des Priesters nichts erkennbares mehr übrig war.
Die Wand triefte vor roter, klebriger Flüssigkeit.
Zufrieden ließ Kain den leblosen Leichnam sowie die mittlerweile verbeulte Stange fallen und wandte seine Aufmerksamkeit dem ersten Kontrahenten zu, welchem er die Augen eher beiläufig ausgekratzt hatte. Dieser lehnte sitzend an der Wand und ließ seinen Kopf, dem Augenlichte beraubt, wild von einer Seite zur anderen wandern, während er sich – blind wie er war – nur ausmalen konnte zu welchem grausamen Spiel die schrecklichen vernommenen Geräusche gehören mochten. Obwohl sein Blick aus blutenden, leeren Augenhöhlen Kain mehrmals streifte, konnte er den Jäger nicht ausmachen.
„Wo... wo bist du?“, keuchte er, während er mit bizarrem Schrecken im Antlitz den Boden um sich herum nach seinem Stab, welcher mehrere Meter neben ihm lag, abtastete.
Kain war sich nun definitiv sicher, dass der sadistische Marcus seinen Griff über die Priester gelockert hatte, damit sie ihn mit ihrer Todesangst amüsieren mögen. Der Bastard war sicher irgendwo um sie herum und genoss die abgrundtiefe Furcht des Menschen.
Doch diesen Spaß gönnte Kain Marcus nicht.
Ohne darauf zu achten, seine Schritte zu verschleiern, näherte er sich dem kauernden Menschlein und mit einer beinahe zärtlichen Geste brach er ihr das Genick. Leb- und lautlos sackte der Mann zusammen und gesellte sich auf dem Boden neben seinen schrecklich entstellten Kameraden.
Zwei unnötige Tode, fand Kain.
„Genug gespielt, Marcus... zeige dich jetzt“, dachte Kain und wandte sich von dem Ort des blutigen Intermezzos ab.

Wieder prasselten Klauen auf Kain nieder, doch dieser wehrte sie bestimmt ab und antwortete auf dieselbe Art und Weise. Die beiden Vampire führten einen flirrenden Tanz aus Schemen und spitzen Krallen auf, deren Schrittfolge keiner entsprach, die ein Mensch jemals zu meistern imstande gewesen wäre.
Mit bestialischer Kraft trafen Marcus’ Klauen Kain an der Brust und hinterließen fünf blutige Striemen. Kain heulte mehr vor Wut als vor Schmerz auf und bekam seinerseits mit beiden Händen Marcus’ Kopf zu fassen. Ein letzter entschiedener Druck, dann wäre Marcus Geschichte!
Kain spannte seine Muskeln an... doch irgendetwas in ihm zögerte für den Bruchteil einer Sekunde, genau die Zeit, welche Marcus brauchte, um Kain mit seinen Raubtierfängen in die Hand zu beißen.
Fauchend ließ Kain von seinem Gegner ab und setzte zu einer erneuten Attacke an. Marcus schien im ersten Moment ausweichen zu wollen, doch diesmal war er es, der zögerte. Und dies besiegelte sein Schicksal.
Mit ganzer tierischer Kraft traf Kain Marcus mit der Faust am Schädel. Dieser wurde von der Macht des Aufpralls brutal herumgewirbelt und kam einige Meter entfernt auf dem Altar leblos zur Ruhe.
Schwer atmend gönnte sich Kain mehrere Sekunden der Ruhe. War es vollbracht? Ein weiterer Verräter seiner gerechten Strafe zugeführt?
Leicht in die Knie gebeugt und mit vor Erregung zuckenden Klauen näherte sich Kain dem steinernen Altar und stieg langsam die Stufen hinauf.
Da lag er.
Marcus.
Tot.
Erleichtert atmete Kain auf. So schwer es ihm fiel, so musste er sich doch eingestehen, dass seine Kräfte ihn verlassen hatten... es galt noch viel Macht aufzubauen, bevor er dem Sarafan-Lord ernsthaft entgegen treten konnte.
Marcus.
Kain spürte, wie sein Kopf schmerzhaft zu dröhnen begann. Seine Gedanken waren zäh wie halb geronnenes Blut, als er die toten Augen seines Feindes musterte.
Sein Herz an die Ratten verfüttern... das hatte sich Kain ausgemalt und das wollte er auch tun. Als letztes Geschenk an seinen alten Freund Marcus.
Langsam beugte sich Kain über die Leiche und streckte seine blutigen Krallen aus. Spielerisch strich er damit über den muskulösen Bauch des Vampirs und wanderte immer höher, bis seine Fingernägel an der Stelle zur Ruhe kamen, an denen sich, nur von wenigen schwachen Rippen geschützt, das Herz befand.
Kain spannte die Muskeln, um seine Klauen in den toten Körper eindringen zu lassen, doch plötzlich spürte er etwas tief in sich schlummern... etwas, das ihm sagte, dass es falsch wäre, einen alten Kameraden so zu entehren.
Kain schüttelte betroffen den Kopf und zog seine Krallen wieder zurück. Nein, so sollte Marcus nicht enden. Die Leiche auf dem Altar... Kain wollte dieses merkwürdige Bild nicht durch unnötiges Blut besudeln.
Er drehte sich und sah sich in dem großen Kirchenschiff um.
Ein alter Mann stand darin und sah ihn aus verängstigten Augen an. Da war er endlich... der Bischof.
Langsam ging Kain auf ihn zu um das zu erhalten, für das er gekommen war.

***

„Dein Spiel ist aus, Dämon! Nun schlägt deine letzte Stunde!“, rief Kain grimmig.
„Kain!“, machte der Sarafan-Lord überrascht. Der Vampir konnte zwar keine Emotionen im unnormalen Gesicht des goldgepanzerten Hünen erkennen, doch seine Stimme sprach Bände.
„Dachtest du, du kannst mich besiegen? Ich kenne deine Pläne und deine wahre Gestalt. Geh durch das Tor, das du geschaffen hast! Geh zurück zu deinesgleichen, bevor ich es zerstöre, oder bleib, stirb auf den Trümmern deines Werkes!“, bot Kain seinem Erzfeind an.
„Ich gebe zu...“, sagte der Sarafan-Lord, „... dass ich dich hier im Herzen meines Reichs nicht erwartet hätte. Du bist in der Tat weit mächtiger, als ich dachte.“
„Darüber kannst du grübeln, wenn du dich entschieden hast. Geh zurück ins Exil oder stirb!“
„Denkst du das Spiel ist schon vorbei? Denkst du, es endet mit meinem Untergang? Hast du dich nie gefragt, warum so viele deiner Handlanger mich als ihren neuen Herrn gewählt haben? Um meiner Sache zu dienen?“
Weshalb seine Zeit mit Gesprächen vergeuden, fragte sich Kain. Er wollte den Lord zerschmettern und auf seiner Leiche das neue Nosgoth begründen... doch Ungeduld war schon das Grab vieler Kreaturen, deshalb zwang sich Kain zur Ruhe. Es wäre auch Verschwendung, diesen Moment des Triumphes nicht auszukosten...
„An Feiglingen und Verrätern verschwende ich keinen Gedanken. Sie werden für ihren Verrat büßen!“, sagte Kain und trat einen Schritt auf den Sarafan-Lord zu.
„Hast du dir schon einmal überlegt, dass möglicherweise ich einer gerechten Sache diene? Hast du das? Und dass dein Ehrgeiz, die Welt zu beherrschen nichts weiter ist als das krankhafte Verlangen eines armseligen Adeligen nach immer neuer Macht?“, höhnte der Champion der Hylden, doch Kain wollte sich nicht auf dieses jämmerliche Spiel der Rechtfertigung einlassen.
„Schweig, Dämon! Denkst du ich merke nicht, wie du die Wahrheit verfälschst? Alle Verräter, die du deinem Willen unterworfen hast, sind tot. Das gilt auch für Umah, deine letzte Spionin!“, grollte Kain.
„Umah? Ich habe keine Spionin mit diesem Namen!“
„Du lügst!“, donnerte Kain und stürzte sich, geschützt durch den Nexus-Stein, auf den Sarafan-Lord.
Seine zweihundert Jahre alte Rache, angefangen bei der Hinrichtung seiner drei verräterischen Vampirleutnants, würde nun ihren grandiosen Höhepunkt erreichen!

Triumphierend hob Kain den wiedererlangten Soul Reaver über seinen Kopf und ließ einen siegreichen Schrei aus tiefster Lunge herausbrechen.
Der Sarafan-Lord, geschlagen und blutig zu seinen Füßen, sein Blick gesenkt, die einst goldene Rüstung nur matt kupfern vor Blut schimmernd. „Du hast eine Schlacht gewonnen...“, begann er schwach „... aber der Krieg zwischen unseren Völkern wird nie enden. Unsere Verbannung in die Dimension der Dämonen macht uns unsterblich. Eines Tages werden wir wieder kommen.“
Kain richtete die geflammte Klinge des Reavers auf den Sarafan-Lord und durchbohrte ihn mit einem durchdringenden Blick aus einen Augen. „Sollte dein Volk das Exil noch einmal verlassen, werde ich auf euch warten.“
Schwach, von all seiner Zuversicht beraubt lachte der Lord. „So lange wirst du nicht leben.“
Kain bleckte seine Zähne. „Ich habe lange genug gelebt, um dich zu besiegen.“
Mit einem triumphalen Heulen stieß Kain den Reaver in die Brust des Lords und durchdrang ihn. Ein letztes Mal zuckte der Sarafan-Lord, bevor ihn sein Leben verließ und er starb.
„Umah...“, dachte Kain. „... was sagte sie, als sie mir den Nexus-Stein stahl? Wie würde sich meine Herrschaft von der vom Sarafan-Lord unterscheiden? Wenn du leben würdest, Umah, hättest du den Unterschied gesehen. Du hättest mir vertrauen sollen. Der Krieg war vorbei und dennoch galt es noch eine andere Schlacht zu schlagen. Ich musste die grausamen Herren von Nosgoth, die nun führerlosen Sarafanen vernichten. Die Städte mussten aufgebaut, und Gesetze neu geschrieben werden. Dann würde eine neue Zeit beginnen – meine Zeit. Die Lorbeeren gebühren dem Sieger. Endlich würde Nosgoth mir gehören.“
Plötzlich durchschnitt ein kaltes Lachen den Klageschrei des kollabierenden Vortex unter ihm.
„Du hast Recht, Kain. Nosgoth wird mir gehören“, sprach eine leblose Stimme aus dem fernen Jenseits.
Wie vom Blitz getroffen zuckte Kain zusammen. Das konnte einfach nicht wahr sein. „Was soll das?“, rief er verwundert. „Welch ein Trick ist das schon wieder? Hexenkunst? Ich habe dich getötet!“
Als ob er schon die ganze Zeit am Rande der Plattform gestanden hatte, blickte ihn Marcus mit einer Mischung aus Hohn und Wahnsinn an. „Du dachtest, du hättet mich getötet.“
„Ich habe dich getötet!“, heulte Kain wutentbrannt und richtete den Reaver bedrohlich auf den längst tot geglaubten Marcus.
„Du dachtest es“, lachte dieser. „Habe ich dir nicht erklärt, dass ich der Meister aller Gedanken bin? Der Marionettenspieler im Dunkeln? Dass sich auf meinen Befehl Liebende hassen und Jungfrauen entehren? Dass Freunde ihre Waffen gegeneinander erheben und ein alter, von Rache zerfressener Vampir nur das tut, was ich von ihm verlange?“
„Niemand stiehlt mir meinen Willen. Du hast es versucht, Marcus, doch du warst zu schwach!“
„Und wieder... du dachtest, ich wäre zu schwach.“ Der Vampir näherte sich Kain, welcher seinerseits unbehaglich einige Schritte zurückwich, bis er am Rand der Plattform den tobenden Wind des Vortex wie gierige Hände an seinen langen, weißen Haaren reißen spürte. „Ich hatte all die Zeit die Kontrolle über dich und ließ dich nur das wissen, was du wissen solltest. Sag mir, was ist besser als eine Marionette, Kain? Weißt du es? Ich sag’ es dir: eine Marionette, die meint, freien Willen zu besitzen.“
„Lügner! Allesamt seid ihr Lügner! Faustus, Sebastian, Umah“, keuchte Kain.
„Es ist bemerkenswert, wie sehr du deine Augen vor der Wahrheit zu verbergen vermagst, Kain. Doch erlaube, dass ich deinem geschundenen Geist etwas auf die Sprünge helfe“ Drohend hob er seine Stimme an. „Was glaubst du, hat dir meinen Tod vorgegaukelt? Deine ach so perfekten Sinne? Was hat dich in der Kathedrale stocken lassen meinen vermeintlich toten Leib zu durchbohren? Dein Mitleid einem alten Freund gegenüber? Was hat dich dazu gebracht, die arme, arme Umah zu töten? Dein bodenloses Misstrauen? Oder waren es vielleicht doch alles meine Kräfte gewesen, die dich vom ersten Moment unseres Treffens an manipuliert hatten? Ha!“
„Lüge!“, donnerte Kain erneut bei der Erinnerung an Umah. „Was sollte dir dies bringen? Du bist feige Marcus, du würdest deinen sicheren Platz an der Seite des Sarafan-Lords nicht gegen diese chaotische Anarchie tauschen, auf die Nosgoth nun ohne Führer zweifellos zu steuert. Und dir fehlt die Kraft selbst über alle Vampire zu herrschen.“
Marcus winkte ab. „Ich wusste, was der Sarafan-Lord vor hatte. Sollte es ihm gelingen, den Vortex zu vollenden würden die Hylden dieses Land verpesten. Spätestens wenn dies erreicht war, hätte er mich und die anderen getötet. Einzig durch deine Hilfe konnte ich das erlangen, wonach ich mich seit langem sehnte... die Herrschaft über die Sterblichen. Keine Hylden, keine Vampire... den Menschen gehört Nosgoths Zukunft! Und ich werde sie kontrollieren und durch sie über dieses Land herrschen.“
Kain lachte abschätzig, doch seiner Stimme fehlte die Kraft. Was Marcus sagte ergab einen großen, schrecklichen Sinn, vor dem sein Geist sich zurückziehen wollte. War er tatsächlich nur eine Marionette gewesen? „Ein größenwahnsinniger Wurm will über Nosgoth herrschen. Wahrhaft ein Spektakel sondergleichen.“
Das schrille Rauschen des tobenden Windes verstärkte sich. Nicht mehr lange und der Strudel zum Reich der Hylden brach komplett zusammen.
„Pah, glaub was du willst Kain. Ich weiß es besser. Und nun gib mir den Reaver!“ Entschlossen trat Marcus auf Kain zu, streckte den Arm aus und öffnete seine schlanken Finger in einer Geste, als erwarte er, Kain würde ihm die Waffe bereitwillig in die Hand legen.
„Niemals“, widersprach Kain und machte sich bereit, Marcus ein für alle Mal in die Hölle zu schicken.
„Gib... mir... den... Reaver!“
Donnerschlag! Ein weiteres Mal bohrte sich alles mit sich wegschwemmende mentale Energie wie glühende Eisenstangen in Kains Gehirn, diesmal jedoch weit mächtiger als damals, so viele Tage zuvor.
„Nein!“, keuchte Kain und umschoss die seelenfressende Klinge fest in seiner Hand. So durfte es nicht enden!
Der Druck verstärkte sich und schien seinen Schädel zum Platzen bringen zu wollen, als Kain sich mit aller Kraft dagegen wehrte. Schwer atmend ging der Vampir in die Knie und verschloss die Augen. Blut strömte ihm aus der Nase, sammelte sich auf seinen Lippen und füllte seinen Mund mit dem wohlbekannten Geschmack nach pulsierendem Eisen. Dieser Geschmack nach... Leben und Tod zugleich.
„Gib mir den Reaver, Kain und ein schneller, schmerzloser Tod sei dir versprochen!“ In Marcus Stimme schwang Ungeduld und perverse Erregung mit.
Zwei unsagbar mächtige Wesen.
Zwei Schicksale.
Einer zum Tode, der andere zum Herrschen verdammt.
Marcus’ Hand legte sich auf den Griff des Reavers und begann ihn langsam aber entschieden aus Kains Hand zu lösen.
Hilflos und von den Kräften im Inneren seines Schädels gemartert konnte Kain nicht anders als kniend zuzusehen, wie ihm das Zeichen seiner Allmacht gestohlen wurde.
Nein! So durfte es nicht enden! War es nicht das, was ihn als Wächter der Balance auszeichnete? Sein freier Wille? Er war Kain. Kain! KAIN!
Die letzten Reste seines Willens zusammensammelnd und mit einem verzweifelten Brüllen der Wut überwand Kain den mentalen Block und ließ seine rechte Klaue blitzschnell hervorschnellen.
Noch bevor Marcus reagieren konnte, waren die raubtierhaften Klauen mit dem Geräusch berstender Knochen und saugenden Fleisches in dessen Brustkorb eingedrungen.
Schlagartig ließ der Druck auf Kains Gehirn nach und er war wieder der Herr seiner Sinne.
Gurgelnde Laute des Unglaubens verließen Marcus’ blutende Lippen, während er mit schreckensgeweiteten Augen den Arm, der bis zum Handgelenk in seiner Brust steckte, anstarrte. Blut füllte seine durchstoßene Lunge und raubten ihm den Atem.
Doch Kain war nicht fertig.
Zwischen seinen Klauen spürte er es. Das noch schlagende Herz, tief in Marcus’ aufgerissener Brust begraben.
„Vae Victis!“, fauchte Kain seinem Widersacher ins Gesicht, ehe er den blutigen, zuckenden Muskel mit einem entschiedenen Ruck herausriss.
Die Kräfte in Marcus’ Beine ließen nach und er drohte zusammenzubrechen. Mit letzter Kraft fiel er Kain in die Arme. Undefinierbare Laute kamen über seine Lippen, doch Kain schenkte ihnen keine Beachtung.
Der Vortex jaulte.
Wie ein groteskes Tanzpärchen auf einer höllischen grün wabernden Bühne vollführten Kain und Marcus eine halbe Drehung, ehe der tödlich verwundete mit dem Rücken zum Abgrund des infernalischen Strudels stand.
„Ich glaube dies gehört mir, alter Freund“, sprach Kain übertrieben höflich und nahm Marcus den Reaver aus den ersterbenden Fingern.
Er fand, dass Marcus schon genug Unfug geredet hatte und ihm deshalb keine letzten Worte zustanden. Nicht dass er auch irgendwie welche hätte artikulieren können. Ohne selbst ein weiteres Wort an ihn zu verschwenden, stieß er Marcus über den Abgrund in den tobenden Schlund des Vortex.

***

Erleichtert atmete Kain auf. Es war vorbei. Er hatte einen heroischen Sieg errungen und niemand war da ihn dafür zu preisen, abgesehen von den klagenden Schreien des tobenden Strudels.
Ein passender Beginn für seine Herrschaft, fand Kain.
Mit langsamen Schritten ließ er die zusammenbrechende Plattform, auf der er sein Schicksal erfüllt hatte, hinter sich und schritt einer ungewissen Zukunft entgegen.
Erst als er die Kammer des kollabierenden Strudels hinter sich gelassen... erst als er die Stadt der Hylden verlassen hatte und an das bleiche Mondlicht gelangte bemerkte er den leblosen, starren Muskel in seiner Klaue.
Marcus Herz.
Kain lachte. Zumindest konnte er nun doch noch sein Versprechen einhalten. Die Ratten Meridians würden diese Nacht gut speisen.
Wahrlich, es war ein passender Beginn für seine Herrschaft.


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